[Hintergrund] Die Garaochi/Borgavandim

    • Lore
    • [Hintergrund] Die Garaochi/Borgavandim

      Achtung, Baustelle! Ich habe dieses Material mal vorveröffentlicht, um mich selbst dazu bewegen, es endlich fertig zu schreiben. Der Text nicht nicht final, auch wenn er teils so scheint. Verkorrigierte Sätze und Rechtschreibfehler sind noch vorhanden.



      Allgemeines und grobe Geschichte:



      Weit im Nordwesten des Landes Quadesh liegt der Borgavand - ein Berg über den etliche Mythen, Sagen und diverse, märchenhafte Erzählungen im Umlauf sind, was nicht sehr verwunderlich ist, wo er doch der einzige, nennenswerte Berg in diesem sonst eher flachen Lande ist, dessen eigentliche Mysterien aber selbst den Bewohnern dieser Region stets verschlossen blieben und es vorerst wahrscheinlich auch weiterhin bleiben werden, wo das bloße Überleben und die damit verbundenen Neigungen und Notwendigkeiten der triebhaften Selbsterhaltung oftmals über die menschliche Neugier triumphieren und manch ein Geheimnis selbst dann nicht offenbar wird, wenn des Rätsels Lösung einem ganz unmittelbar, wenn nicht gar eigentlich offensichtlich vor der Nase schwebt. Daher wird heute auch nicht der Berg selbst, sondern vielmehr seine Bewohner das Thema dieser kleinen Abhandlung ausmachen, die in ihren Eigenarten und Volksweisheiten wohlmöglich nicht an die Bedeutung ihres Habitats heranreichen, aber dennoch ihre Rolle in den Geschicken des Landes zu spielen wissen.


      Das Volk der Garaochi, wie sie sich selbst schimpfen und fluchen (Andere Völker nennen sie schlicht Bergbewohner oder Borgavandim), lebte nicht immer an den Hängen des Berges, denn dereinst waren sie in den Ebenen nahe des heutigen Quarthdarhsts beheimatet, zu einer Zeit, als dort noch nicht alles verödet, wüst und unfruchtbar - ja, lebensfeindlich - war und zogen mit ihren Herden (nicht unähnlich den heutigen Wairesh) über das Land. Sie waren wohl keine vollwertigen Nomaden, denn viele lebten vom Ackerbau (Ihre Sagen und Märchenwelt spricht immer wieder von Bauern und anderen sesshaften Berufen), wenngleich man heutzutage keinerlei Strukturen oder Spuren einer solchen Materialkultur auffinden kann. Wahrscheinlich hat die Wüste ihr Übriges dazu beigetragen, das Erbe der Garaochi unkenntlich zu machen, wo sie gerade in den letzten Jahrhunderten um einiges angewachsen ist und ihrer Ausbreitung bislang auch noch nichts entgegenzusetzen war (wie denn auch). Sicher ist, dass die Garaochi die Urbevölkerung der Region ausmachten, bevor sie sich sich aufgrund der Expansion Quarthdarhsts (2578 n.A.), dem Erstarken der Quadarbim und der allgemeinen Veränderungen im Klima, an die Hänge des Borgavands flüchten mussten, was man sowohl aus ihren eigenen Erzählungen, wie auch aus den Überresten der seevölkischen und parsischen Geschichtsschreibung jener Zeit rekonstruieren kann. Da die Garaochi über recht weitreichende mündliche Traditionen verfügen, können wir uns zudem ein vages Bild davon machen, wie verheerend die Völkerwanderung ihre Population dezimierte und, wie sie durch die Umstände ihrer neuen Heimat dazu gezwungen wurden, ihre Lebensweise und Kultur grundlegend zu ändern. Interessant ist vor Allem, dass sich unter ihnen immer noch viele Sitten halten, die in ihrer Art und Weise eher zu den Gebräuchen halbnomadisch lebender Gruppen passen. Diese altertümlichen Normen spiegeln sich zwar nicht im Arbeitsleben, wohl aber im Familienleben wie auch in einigen Ritualen (Ahnenkult, Glaube an beseelte Objekte und Orte) und obskuren Feiertagen wider. Oftmals haben diese kulturellen Atavismen natürlich einen neuen Anstrich bekommen, wo es die Sittenpolizei des Sultanats nicht allzu gerne sieht, wenn man fremdartigen Götzen dienlich ist, doch praktizieren viele die "alten Wege" immer noch derart, wie es ihre Ahnen ihrerseits taten. Dies mag zwar im krassen Gegensatz dazu stehen, dass die meisten Garaochi glühende Anhänger des Sultanats sind und sich der Lehre um den Feuergott Al-Watar devot verschrieben haben, doch sehen sie in ihren Traditionen nicht etwa konträre, heidnische Rituale sondern schlichtweg die Art und Weise, in der sich ihnen der Gott offenbarte. Allgemein werden sie wohl nicht den Glaubenseifer an den Tag legen, wie es etwa die Quadarbim tun, doch werden sie unter dem Banner des Sultans und des einen, wahren Gottes streiten, wenn sie dazu aufgerufen werden sollten.


      Interessant ist, dass trotz der schwierigen Vergangenheit mit Quarthdarhst keine offene Feindschaft zwischen beiden Fraktionen mehr besteht, was dem Kenner Quadeshs schon fast als Ungereimtheit, als Artefakt und Fehler aufstößt, wo sich andere Völker dieses Landes Jahrhunderte, wenn nicht ganze Jahrtausende zu hassen und in Streitsucht zueinander leben gelernt haben. Es ist sogar so, dass recht viele von ihnen in der Stadt leben und arbeiten und manch ein Historiker meint sogar, dass es nicht primär Quarthdarhst war, welches die Garaochi aus ihrer angestammten Heimat vertrieb, sondern Stämme der Quadarbim. Diese Entwicklung wird oftmals darin begründet, dass zahlreiche Traditionen der innerstädtischen Unterschicht, wie etwa ein Ahnenkult und ein Glaube an Wettergötter, stark den borgavandschen Traditionen gleichen und teils gar identisch anmuten, so dass für Vertreter dieser These die heutige Bevölkerung der Stadt Quarthdarhst in einer Synthese aus den alteingesessenen Garaochi und den Siedlern des sogenannten Seevolks entstand. Nicht wenige Historiker sind sich dahingehend einig, dass die Erbschaft der älteren Garaochi, sprich: deren Erfahrungen in der Viehhaltung wie der allgemeinen Kenntnis des Landes, nicht unwesentlich zum schnellen Erfolg des Karawanennetzwerks von Quarthdarhst beitrug. Doch abseits dieser Elemente scheint sich der tatsächliche Einfluss der Garaochi auf Quarthdarhst in Grenzen gehalten zu haben, zumal man viele Eigenschaften der Bauweise oder was Werkzeuge, Möbeliar und Waffen betrifft eindeutig auf parsische Siedler zurückführen kann, die sich dort bereits wenige Jahrzehnte nach der Initialgründung in der Mehrheit fanden, wenngleich sich die Oberschicht damals noch hauptsächlich aus dem Seevolk rekrutierte und sich kulturell stark von den Parsen wie auch den Garaochi unterschied.


      Wenngleich der ewige Konflikt der Stadt mit den Nomaden der beiden Wüsten auch eine "natürlich-anmutende" Entwicklung darstellt, wo die Wairesh die Händlerkarawanen des Seevolks als Fremde und Hassenswerte in ihren Land ansehen, kann man diese ewige Krise auch als Erbschaft der älteren Garaochi, beziehungsweise einiger Teilstämme der älteren Garaochi ansehen, denn bei nicht wenigen Stämmen der nordwestlichen Wairesh, die hauptsächlich zwischen Quarthdarhst und Brago umherziehen, lassen sich immer noch Spuren der Urbevölkerung in den Traditionen der jeweiligen Gemeinschaften nachweisen. Man sollte diese Überbleibsel jedoch nicht als einen Beweis für die fortwährende Präsenz der garaochischen Kultur in dieser Region ansehen, sondern vielmehr als ein Echo aus einer archaischen, längst vergangenen Epoche - und zumal diese Riten nicht wirklich als Identifikationsfaktor dienen und auch nicht von allzu großer Bedeutung innerhalb der Gemeinschaften sind, wäre man sehr schlecht darin beraten, Teile der regionalen Stämme den Garaochi zuzuordnen (Der Frauenraub hat bei dem Abfärben der garaochischen Kultur auf die der Wairesh eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt).Ebenso falsch wäre es jedoch auch, dass Erbe der älteren Garaochi in dieser Region für nicht vorhanden zu erklären, wo es doch sehr eindeutig seine Spuren hinterlassen hat - Spuren im Sand, wenn man das so sagen darf, jedoch immer noch Spuren.


      Politik:


      Der Borgavand bildet zusammen mit Brago und Teilen der Wüste das gleichnamige Emirat Borgavand und ist strategisch gesehen, eine der interessantesten Regionen, die Quadesh zu bieten hat, wo diese doch den gesamten Nordwesten des Landes ausmacht und viele günstige Routen, sowohl ins Ausland auch als in die Weiten der Wüsten Quadeshs bietet, deren Kontrolle oftmals Streit- und Angelpunkt für die Politik in der gesamten Region war. Die Garaochi selbst leben hauptsächlich an den unmittelbaren Hängen und Ausläufern des Borgavands, während Brago - Ein Minendorf und Stützpunkt der KHG - zwar auch als Teil der Provinz besteht, mit dem namensgebenden Berg aber nur sehr wenig zu tun hat, so dass man die Provinz sogesehen in zwei Unterregionen (Den Borgavand selbst und das Tal von Brago mit dem Pass nach Arboria) teilen kann. Interessanterweise befindet sich der Sitz des Emirs nicht etwa in Brago, wo es verwaltungstechnisch eigentlich am sinnigsten wäre, sondern in der Bergregion, im Hauptdorf der Borgavandim, in Argahbahd.

      Der Emir selbst mag zwar nicht aus der Gegend kommen, wo er doch wie die Meisten, die dergleichen Stand und Stellung teilen, direkt vom Sultan dazu berufen wurde, doch soll sich der derzeitige Träger dieses Amtes, Yazid III eines hervorragenden Rufes bei den Eingeborenen erfreuen, während er bei den Händlern aus der Hafenstadt nicht sehr gut gelitten ist. Diese Umstände werden wohl eine nicht ganz unwesentliche Rolle bei der Auswahl des Regierungssitzes gespielt haben. Seine Vorgänger "residierten" entweder in Brago, wo sie sich an den einfachen Verhältnissen eines Quadesh-typischen Bauernhauses erfreuen durften oder ritten mit den Wairesh, was oft das Naheliegendste war, wo sie nicht selten selbst aus nomadischen Verhältnissen kamen. Die Politik des Emirats wird mehr oder minder unmittelbar vom Sultan bestimmt, da sich eine größere politische Selbstbestimmung der Provinz aufgrund ihrer Bedeutung, als geostrategisch-wichtiger Grenzregion des Reichs inmitten des seevölkischen Einflussgebiets, einfach nicht als Option anbietet.
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    • Obgleich Quarthdarhst sich durch Verträge das Recht vorenthält Stützpunkte zur Sicherung der Handelsrouten zu unterhalten, ist die Größe der Garnison doch recht übersichtlich und beschränkt sich, abseits einer Befestigung an den Westhängen des Berges, lediglich auf gelegentliche Patrouillen und die Bewachung von Karawanen. Banditen und ehemalige Rebellen sind keine Seltenheit in der Region, doch würde eine stärkere Präsenz der Söldnergilde die Autonomie der Hafenstadt vom Sultanat gefährden, weshalb man Verluste der KHG durch Vagabunden hinnimmt. Sollte die Krise zwischen Quarthdarhst und dem Sultanat eskalieren, werden die Hänge des Berges das erste Schlachtfeld in einer langen, zermürbenden Auseinandersetzung darstellen.

      Kultur:

      Die Garaochi zeichnen sich weder durch ihre Extravaganz noch durch ihre Finesse in den Künsten aus, denn die karge, lebensfeindliche Berglandschaft bietet relativ wenige Optionen, sich der bloßen Muße hinzugeben, vielmehr ist es so, dass durch althergebrachte Traditionen das Leben eines Neugeborenen von Beginn an festgelegt ist. Beruf, Rang und Stellung sind unabänderlich, seinen Werdegang wählt man sich nicht aus, er wird einem von Geburt an auferlegt, ebenso wie der Ehepartner, denn im Kontrast du den Quadarbim leben die Borgavandim monogam und scheinen sich in den meisten Fällen mit diesem Schicksal auch zufrieden zu geben. Der Kultus des Al-Watars hat große Veränderungen in die Angewohnheiten der Bergbewohner gebracht, die vorab einer Art Schamanismus mit einem reichhaltigen Götterpantheon mit allerlei Waldgeister, Flussgöttern, Feen, Sagengestalten und einer Verehrung des Schicksals frönten. Waren die älteren Damen der Garaochi einst so mächtig, dass manch ein Händler aus der Hafenstadt über das Matriarchat am Berg gut zu spotten wusste, bestimmen nun der Emir sowie eine kleine Schar von Beratern über die Geschicke der Region. Die alten Frauen konnten dennoch Teile ihrer Privilegien erhalten und kümmern sich fortan hauptsächlich um Familienpolitik, sprich: Heiratspolitik.

      Kleidung und Schmuckstücke spielen eine große Rolle und zeigen durch klar definierte Symbolik die Stellung ihrer jeweiligen Träger an. Farbige, stark betonte Ziernähte und verschiedenartige Stoffe lassen dem kundigen Betrachter keinen Zweifel an der Persönlichkeit, der Berufung, wie auch der Stellung des Gegenübers, während Ringe, Ohringe (auch bei Männern) und Amulette verraten können, was eine Person alles durchlebt und gemeistert hat. Egal ob es sich dabei um eine Jagdverletzung, einen überlebten Unberfall oder die geglückte Geburt eines Kindes handelt, alle diese Vorkommnisse sind den Borgavandim als Offenbarungen des Schicksals heilig und haben ihre Wurzeln in den alten vorsultanischen Traditionen dieses bemerkenswerten Volkes.

      Die Borgavandim sind, was Handelsgüter anbelangt, weitestgehend durch ihre erlesenen Wollstoffe bekannt, die durch die Händler aus Quarthdarhst, über die ganze Welt verkauft werden - Es heißt, dass lediglich die Wolle des tiuacenischen Schafsgotts noch kuscheliger sei. Was aber die eigentliche Materialkultur der Bergbewohner angeht, so muss man auch als noch so objektiver Beobachter zugeben, dass sie in diesem Aspekt doch stark ins Hintertreffen geraten sind. Werkzeuge bestehen zumeist aus Kupfer, Bronze und teils auch aus Stein, da die Eisenverarbeitung sich bei den Garaochi nie richtig durchgesetzt hat, was höchstwahrscheinlich damit zu tun hat, dass die Rostbildung an den nebligen Hängen des Berges ein größeres Problem darstellt, als etwa inmitten der Wüste. Häuser werden zumeist aus groben Steinen variierender Größe zusammengesetzt und diese Konstruktionen werden durch einige tragende Holzelelemente gestützt. Allgemein kann man sagen, dass die Architektur der Garaochi etwas einfach, wenn nicht gar grobschlächtig ausfällt, was den kulturellen Kontrast mit der Nachbarschaft noch weiter unterstreicht.

      Bildhauerei, Malerei und jede Form von Kunsthandwerk wie auch Kleinkunst wird zumeist innerhalb der Familie praktiziert und hat interessanterweise keinerlei Anspruch auf Kommerzialität, sondern dient in den meisten Fällen der Darstellung von Ahnen und ihren großen wie auch kleinen Taten. Vor der Verbreitung der Lehre Al-Watars wurde diese Kunst öffentlich praktiziert und ausgestellt (etwa an Wegen und Nischen in Hauswänden), doch nimmt die Signifikanz dieser Tradition Generation für Generation ab, lediglich eine Minderheit der Garaochi, namentlich jene, die weiterhin die alten Wege praktizieren, üben diese alten Künste weiterhin aus, wenngleich sie dies zumeist im Geheimen tun müssen.
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