[Hintergrund] Die Wairesh

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    • [Hintergrund] Die Wairesh

      "Die Leute der vier Wände meinen über uns zu urteilen, dass wir allesamt ruchlose Viehdiebe, Räuber und Vergewaltiger, ja, wahre Barbaren und Wilde seien, denen man nie und nimmer über den Weg trauen könnte, denen man kein Kalb, Kamel, Schaf oder Pferd, keinen Knaben, kein Weib anvertrauen könnte - denn der verwegene Wairesh würde sich diese Gelegenheit wohl kaum entgehen lassen.
      So schimpfen sie über uns und meinen dabei sogar, besser, höher, wertvoller zu sein, als wir, die Söhne der Wüste, die Wairesh, es sind. Haben sie denn etwa vergessen, wer die Herren dieser Lande, von Zimrid bis Opiana sind, haben sie etwa vergessen, dass sie lediglich die Knechte Al-Watars und mitnichten Könige im Reiche seiner Herrlichkeit sind? Als dereinst Hashim ibn Ul-Umar der Gerechte über die Länder der Parsen kam, da lehrte er dem Volk der Städte die Gottesfurcht. Mit Feuer und Schwert schlug er die Götzendiener. Zu Lande wie zu Wasser lehrte er ihnen das fürchten. Und überall wohin er auch ging, gingen sie in die Knie und flehten um Gnade und mit Gnade führte er sie zum wahren Glauben. Doch jene, die über ihn schimpften und lachten und jene, die meinten seine barmherzige Lehre sei falsch und verkehrt, ja, verrückt, jene schlug er ans Kreuz, ließ sie pfählen oder zerriss sie durch Vieh und ließ ihre gottlosen Kadaver im feurigen Antlitz unseres Herrn verdorren! Fast dreihundert Jahre ist dies nun her und man möchte meinen, dass sich die Gottlosen wieder vermehrt haben. In der Meeresstadt herrschen die Huren, ungeniert und nackt sitzen sie dort auf dem Thron. In Opiana erzürnen die Ketzer unseren Herrn durch übermäßige Trunksucht und Würfelspiel. Und unsere Brüder, unser eigen Fleisch und Blut, in Quataban, die werden heute nicht mehr von Al-Watar oder seinem weltlichen Sendboten geleitet, sondern von den Verlockungen des Reichtums und dem unzüchtigen Geschwätz ihrer Weiber."


      Auszug aus einer Rede des berüchtigten Stammesfürsten Anmar Faram'Anmar ibn Halik ibn Anmar



      Allgemeines:

      Obgleich die sesshafte Lebensweise in den letzten Jahrhunderten auch unter den Quadarbim (Eigenname der Kadäer) stark an Beliebtheit gewonnen hat, leben nach wie vor viele von ihnen - wie dereinst ihre Vorfahren auch - in den für die meisten Menschen lebensbedrohlichen Weiten der großen und kleinen Draut. Räuber werden sie geschimpft und als Bettler und Wegelagerer verspottet und möglicherweise sind sie das auch, wenngleich die Umstände der erwähnten Untaten oftmals ins rituelle gekleidet werden, was so viel heißt, als dass der Ehrenkodex der Wairesh (so nennen sie sich selbst) in vielen Punkten direkt mit dem als Unrecht empfundenen Gepflogenheiten der Mehrheitsbevölkerung kollidiert. Mord, Diebstahl und jede Form von Plünderung, Menschenraub, Vergewaltigung und andere Untaten sind im nicht kriegerischen Kontext natürlich verboten, doch ein Geschenk, ein Gunstbeweis oder dergleichen kann und muss eingefordert werden, wenn nötig mit Gewalt. Die meisten Angehörigen dieses Volkes verfügen über eine schnelle und wendige Zunge und sind für ihre haarscharfen Doppeldeutigkeiten und ihre ausschweifenden, blumigen Formulierungen bekannt . So kann es auf die Schnelle geschehen, dass man einem Wairesh sein liebstes Kamel vermacht, ohne dass man es zunächst merkt - Gut, man merkt es dann, wenn der in seiner Ehre beleidigte Wüstensohn seinen Dolch zieht und einem an die Kehle hält - doch in der gestenreichen Sprache (zu allen Ungunsten sind die Wairesh nur des Kadäischen und nicht des Parsischen mächtig, was zu weiteren Schwierigkeiten führt) dieser Leute finden sich für den Unkundigen oftmals keine Hinweise auf einen sich anbahnenden Streit.

      Die Nomaden sind zudem mit die Gläubigsten unter den Anhängern des Al-Watars und rühmen sich ihrer Kunde über die heilige Schrift und ihrer mündlichen Traditionen, deren Wurzeln zum Teil weit ins Prähistorische reichen (Gut, dies ist bei ihnen nicht allzu lange her, wo sie doch vergleichsweise sehr spät damit begannen die Kunst des Lesens und Schreibens zu schätzen). Treffen sie auf weit weniger in der Religion gefestigte Menschen - was den meisten Bewohnern Quadeshs entspricht ., so ist ein Konflikt nicht selten, wo doch der Ungläubige nach alter Sitte kein Recht zu leben hat und es die Pflicht der Gläubigen ist, ihm dieses mitsamt seiner Habseligkeiten alsbald zu rauben (zumindest ist dies die Auffassung vieler Wairesh) . Gerade Händler aus Quarthdarhst haben große Probleme mit dieser Sitte, wo sie sich meistens überhaupt nicht mit der Lehre Al-Watars beschäftigt haben, was in den letzten Jahren immer wieder zu offenen Konflikten, wenn nicht zu einem inoffiziellen Krieg zwischen diesen beiden Parteien geführt hat.

      Da sie sich durch ihre Lebensweise weder als gut besteuerbar noch als verlässliche Handelspartner erwiesen haben, hat ihr Ruf bei den sesshaften Quadarbim und speziell bei den herrschenden Schichten der Gesellschaft stark abgenommen, wenngleich eine gewisse Bewunderung der traditionsreichen Nomaden und ihrer zahlreichen Abenteuer der Sichtweise des Großteils der Bevölkerung in Shra-el-anbar immer noch mehr entspricht, als dem Bilde, welches die Bewohner anderer Regionen Quadeshs teilen, was wohl nicht zuletzt daran liegen mag, dass zahlreiche Wairesh immer wieder in Quataban Station machen und dort ihre Taten entsprechend ihrer ausschweifenden und überspitzten Art breittreten. Abseits davon haben sich meisten Söhne der Wüste darauf verstanden, im Kern des Reichs nicht als Störfaktor sondern als Vorbild verstanden zu werden. Gerade die einfachsten Bewohner dieser Region sehen sie nach wie vor als Helden und als Abbild der glorreichen Vergangenheit des Reiches an und meinen in den heutigen Wairesh die direkten Nachfahren jener Krieger zu sehen, die der Landkarte dereinst das Siegel des Sultanats aufdrückten. Fragt man einen Händler oder Beamten nach den selbigen Wüstenkriegern, so werden diese offener mit ihrer Skepsis umgehen, im Kern aber immernoch die Bewunderung der breiten Massen teilen.

      Durch die Bildung der Organisation der Flamme der Gerechtigkeit hat der Einfluss der Nomaden auf die Politik des Landes wieder stark zugenommen, da sich weite Teile dieser Gruppierung aus den Reihen der Wüstenkrieger rekrutieren, wo sich ihre Fähigkeiten, ihre Sitten und Gebräuche, wie allgemein ihre ganze von Ehre und Religiosität geprägte Lebensweise gut in das dogmatische System des Ordens fügen. Ihre Landeskunde sowie ihre Fähigkeit in unwirtlichen Gegenden zu überleben, macht sie zu perfekten Spähern und Meuchelmördern im Dienste des Sultans, aber dennoch haben einige wenige von ihnen auch den Weg in andere Gemeinschaften des Reichs gefunden, weshalb sich vereinzelt auch Wairesh in den Ränken der Söldnergilde finden - Bei diesen Menschen handelt es sich jedoch zumeist um Ausgestoßene, die diesen Pfad einschlugen, weil sich ihnen andere Pfade und Optionen verwehrten.

      Außerhalb Quadeshs ist es höchst unwahrscheinlich einen Wairesh anzutreffen und so wundert es nicht, dass sie dort allerhöchstens als Märchengestalt oder als literarisches Klischee Erwähnung finden, wo die einzige Kunde über diese Volksgruppe über die Handelsflotte der KHG, ihre Söldner sowie einige mutige Touristen und Abenteurer verbreitet wird. Ferner haben sich diese wunderlichen Gestalten zu einem Symbol für das Sultanat und mitunter für gar ganz Quadesh entwickelt, was zwar von der Wahrheit weit entfernt sein mag, den Romanautoren aus Ituria oder Caldera aber nicht daran hindert, eben jenes Stereotyp immer und immer wieder gewinnbringend anzuwenden.
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    • Organisation innerhalb der Stämme:

      Die Rangordnung innerhalb eines Stammes von Wairesh entspricht in etwa jener, die auch unter allen anderen Quadarbim Anwendung findet, doch ist sie in vielen Fällen strikter und durchzogen von zahlreichen Ritualen, Initiationsriten und Gesten, die unter den sesshaften Kadäern bereits in Vergessenheit geraten sind oder schlichtweg als altmodisch, wenn nicht archaisch gelten. An der Spitze steht der Scheich, dieser vertritt den Stamm nach außen hin und entscheidet über Krieg und Frieden, Recht und Unrecht, und andere Belange, wie etwa günstige Verträge mit Händlern und Vertretern anderer Stämme und Fraktionen. Außenstehende erhaschen häufig den Eindruck, dass der Scheich alleiniger Träger der Macht innerhalb eines Stammes ist, doch ist dies - wie gesagt - nur ein Eindruck, der mitnichten der Organisation eines Stammes entspricht. Richtig ist, dass sich der Scheich an der Spitze der Pyramide befindet, doch ist er in vielen Belangen lediglich Repräsentant und in wieder anderen Angelegenheiten, wie etwa der Heiratspolitik, hat er lediglich eine beratende Funktion inne - diese Aufgabe ist den älteren Frauen anvertraut - und würde (dies ist schon einmal vorgekommen), wenn er aus seinem Aufgabenbereich ausbräche, riskieren fortgejagt zu werden.

      In Zeiten der Not oder wenn eine größere Militärische Operation dies erfordert, wird ein Malik gewählt, der entweder einem Stamm oder sogar mehreren Stämmen vorsteht und in seiner Rolle dazu befugt ist, auch in Bereiche einzugreifen, die dem Scheich verwehrt sind. Ein Malik wird für eine gewisse Zeit oder auf Lebenszeit gewählt, wenn es ihm jedoch nicht möglich ist, seine erklärten Ziele zu erfüllen, kann es geschehen, dass sich der eigentliche, für seine Amtszeit vorgesehene, zeitliche Rahmen dramatisch verkürzt. Da ein Malik nicht im eigentlichen Sinne abgewählt werden kann, geschieht dies meist durch Mord, Hinrichtung oder Verbannung. Interessant zu wissen ist, dass der Gründer des Sultanats dereinst "nur" ein Malik war, dem es durch seine geschickte Politik und seine riskanten Manöver vergönnt war, dieses Amt an seine Nachkommen weiterzugeben. Heutzutage wird kaum noch ein Malik gewählt und wenn dies doch geschieht, so hat dieser sein Amt meist nur für einige Monate inne.

      Strafverfolgung ist eine Angelegenheit des gesamten Stammes und je nach Art des Vergehens wird demokratisch oder auf Erlass des Scheichs gehandelt. Für die meisten Vergehen werden entweder die Todesstrafe oder geringere Körperstrafen angewendet, doch ab und an kommt es auch zur Versklavung oder Verbannung des Straftäters. Manchmal wird dem Delinquenten sogar die Wahl zwischen mehreren Optionen gelassen, so dass er sich etwa für den Tod oder die Verbannung entscheiden kann. Bei demokratisch verabschiedeten Todesurteilen kommt es meist zur Steinigung, während sich ansonsten die Hinrichtung durch das Schwert großer Beliebtheit erfreut. Ein Sonderfall stellen Strafen für sittliche Vergehen, wie etwa Vergewaltigung, Homosexualität und Prostitution, dar, da diese darauf abzielen, die Beteiligten zur Gänze zu vernichten, sprich vom Antlitz der Welt zu tilgen, um der göttlichen Ordnung genüge zu tun. Die Verurteilten werden Tieren zum Fraß vorgeworfen, gevierteilt, von hohen Klippen gestoßen oder gepfählt, dann werden die Leichen weiterverstümmelt und die Überreste schließlich verbrannt, wonach die Asche in alle vier Winde verteilt wird - ausländische Schilderungen über die Grausamkeiten Quadeshs beruhen zumeist auf dieser Hinrichtungspraxis. Kinder, Sklaven, Vieh und Besitztümer des Verurteilten werden unter den Angehörigen des Stammes aufgeteilt.

      Militärische Stärken und Vorlieben:

      Kaum ein anderes Volk in Quadesh ist derart kriegerisch, wie die berüchtigten Wairesh es sind und bedenkt man die Rolle, die sie bei der Gründung des Sultanats spielten sowie ihre beachtlichen militärischen Leistungen in der sonstigen Geschichte des Landes, wäre es wahrlich ein Unding auf diesen Teil ihres Erbes nicht eingehen zu wollen, wo ihnen der Krieg nicht nur als bloßes Handwerk oder Mittel zum Zweck gilt, sondern in seiner Form, Ausübung und Artikulation schon als eine Art Kunst, als notwendigerweise Kriegskunst zu betiteln ist. Von Kindesbeinen an lernen sie den Umgang mit Pfeil und Bogen, Speer, Schwert und Lanze, das Reiten von Pferden und Kamelen ist bei ihnen höchste die Manneszucht und Krieg in seinen strategisch-logistischen Dimensionen ist ihnen alles andere als fern, wo doch das Nomadenleben, sehr dem Gewusel des Feldlagers ähnelt.

      Viele mögen ihre Kampfweise und ihre Taktiken auf dem Feld der Ehre als feige, wenn nicht vollends unwürdig bezeichnen und ihnen einen Mangel an Disziplin und Standfestigkeit vorwerfen, doch haben solche Kritiker meist keine Vorstellung davon, wie es um diese Begrifflichkeiten bei den Wairesh steht oder aber sie missverstehen ganz absichtlich die Vorgehensweise der Wüstenkrieger. Zuallererst ist es Wichtig zu begreifen, dass die Wairesh im Krieg, wie auch im Frieden ein Volk, getragen auf den Rücken vieler Rösser, sind und es bei ihnen schon verpönt ist, dem Feind auf seinen bloßen Füßen entgegenzutreten. Da Pferde in Dingen der Mobilität dem bloßen Körper eines Menschen überlegen sind und allem voran die Wüstenkrieger sich darauf verstehen, diesen Vorteil zur Gänze zu nutzen, hat sich bei ihnen eine Taktik der Nadelstiche eingebürgert, die darauf fußt, den Feind mit kleinen Truppenkörpern in die Flanke zu fallen, seinen Rückzugsweg abzuschneiden, um sie darauf nach und nach mit Fernwaffen zu dezimieren. Bald sollte der Feind demoralisiert und eingeschüchtert sein, so dass einzelne Kombattanten ausscheren (sei es zum Angriff oder zur Flucht), bis sich eine allgemeine Unordnung unter den Reihen der Gegener gebildet hat, die es dann gilt mit einem gezielten Angriff auf das schwächste Glied im feindlichen Herr auszunutzen. Nur wenn die Situation es erfordert, sprich, wenn das Gelände es nicht zulässt oder es um die Verteidigung einer Stellung geht, steigt ein Nomade (wenn auch nur widerwillig) von seinem Pferd, doch wird er dann - im krassen Gegensatz zu manch anderer Soldateska - solange ausharren, bis der Feind entweder zurückgeschlagen oder er selbst erschlagen wurde. Der "feige Rückzug" von dem immer und immer wieder berichtet wird, ist ein geschicktes Manöver, welches die Stärke der Wairesh und ihrer Tiere ausmacht.
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